Dienstag, 13. Januar 2009

Langsam Bloggen


Im Folgenden eine Übersetzung des Slow Blogging Manifesto von Todd Sieling. Für Hinweise zur Verbesserung der Übersetzung sowie das Auffinden von Fehlern bin ich dankbar.

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Manifest

1

Langsames Bloggen ist eine Absage an die Unmittelbarkeit. Es ist eine Bekundung, dass nicht alles Lesenswerte schnell geschrieben wurde und dass viele Gedanken am besten erst dann serviert werden, nachdem sie ganz durchgebacken sind und in einem ausgeglichenen Zustand formuliert wurden.

2

Langsames Bloggen heißt, mit Bedeutung zu sprechen, als ob die Pixel, die den Worten Form geben, wertvoll und selten seien. Es ist die Bereitwilligkeit, aktuelle Ereignisse kommentarlos vorübergehen zu lassen. Es ist bedachtsam im Tempo und unterbricht seinen gemächlichen Schritt nicht für Dinge, die nicht wichtig sind. Und vielleicht nicht einmal dann, denn die Geschwindigkeit des Ernstfalles ist meistens nicht langsam und die Orte, welche von beruhigendem Tempo regiert werden, dienen uns dann am besten.

3

Langsames Bloggen ist eine Umkehrung des Zerfalles in Einzeiler und verkürzte Phrasen, die oft nur die Frühstadien unserer besten Ideen sind. Es ist ein Prozess, in welchem Gedankenblitze aufleuchten und verblassen, um dann ihren Platz im Hintergrund von etwas Größerem zu finden. Langsames Bloggen schreibt keine Gedanken in das ätherische und ewige Pergament, bevor sie nicht einen andauernden Wert im Gebäude unserer Ideen erlangt haben.

4

Langsames Bloggen ist die Bereitschaft, stumm zu bleiben bei den täglichen Entrüstungen und Begeisterungen, die nur einzelne Momente der Zeit ausfüllen, welche zwischen Banalitäten herspringen, Herzschmerz und psychotische Weltuntergangsfröhlichkeit in einen kleinen Raum zwischen den Schlagzeilen pressen. Das, was du in einem bestimmten Moment letzte Woche hättest sagen wollen, kann auch noch nächsten Monat oder nächstes Jahr gesagt werden und du wirst nur umso gewitzter erscheinen.

5

Langsames Bloggen ist eine Antwort auf den und Ablehnung des Pagerank. Pagerank, jenes hübschhässliche Monster, welches hinter den vielen gefalteten Vorhängen von Google sitzt und die Frage nach Autorität und Relevanz zu deinen Suchen entscheidet. Blogge früh, blogge oft und Google wird dich belohnen. Konditioniere dein kreatives Selbst auf die geheime Frequenz und werde von Google geliebt; du wirst da erscheinen, wo jeder schaut – auf den ersten paar Suchergebnisseiten. Folge deinem eigenem Tempo und deine Arbeiten werden nie gefunden; verweigere Pagerank seine Wünsche und deine Arbeit verschwindet, wie von einer Rückströmung in die tiefen Wasser der undifferenzierten Ergebnisse geworfen. Sein verdrehtes Verständnis des Allgemeinwohls hat Pagerank zu einem beängstigenden Gegner der Allgemeinheit gemacht, er gibt ein Schritttempo vor, welches die Reflektion verbietet, die nötig ist, um vom Alltäglichen zum Vermächtnis zu werden.

6

Langsames Bloggen ist die Wiederherstellung der Maschine als Vermittler menschlichen Ausdrucks, statt seine Peitsche und Behälter. Es ist das freiwillige Anhalten des lichtschnellen Laufrades, welches in den Regeln des effektiven Bloggens vorgeschrieben wird. Es ist die Auferlegung asynchroner Temporalien, wo wir nicht schneller tippen, um mit dem Computer mitzukommen, wo das Tempo der Gestaltung nicht dem Konsumtempo entspricht, wo gute und schlechte Werke in ihrer eigenen Geschwindigkeit erschaffen werden.

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Kommentar: Ich persönliche stimme dem Manifest in vielen, aber nicht allen Punkten zu. Texte, die länger auf kleiner Flamme geköchelt wurden, überarbeitet und überlegt wurden und etwas aussagen, schmecken besser als schnell hingerotzte Kriegserklärungen an Grammatik, Rechtschreibung und Inhalt. Allerdings halte ich den Pagerank für unschuldig, schlimmstenfalls für ein Symptom, nicht die Ursache. Die Ursache liegt wohl in den globalen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen unserer Umwelt. Und da geschehen Veränderungen meist nur im Kleinen. Und langsam.

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